„So eine sollte man festsetzen“

Die KVB-Prüferinnen im Bus 143 sind also im Recht – und das führen sie öffentlich vor. Sie stellen einen 40-Euro-Zahlschein aus. Immer wieder wird die Frau, offenbar eine Chinesin, nach ihrem Ausweis gefragt. Sie hat keinen. Stattdessen ruft sie mit ihrem Handy jemanden an, der Deutsch spricht. Sie reicht das Telefon weiter an die Kontrolleurin. „Dann müssen sie ihrer Frau eben eine Wochenkarte kaufen, wenn die kein Wort Deutsch spricht“, ruft sie. Die Asiatin fingert ein Papier hervor, anscheinend eine Aufenthaltsgenehmigung. „Gemeinschaftsunterkunft“, sagt die Frau von der KVB laut. Es steht keine Adresse auf dem Papier.

Die Chinesin telefoniert wieder, will das Handy erneut weiterreichen. „Nein, jetzt habe ich keine Lust mehr. Wir fahren zur Polizei“, sagt die Kontrolleurin. Der Bus ist längst an der Haltestelle vorbei, an der die junge Frau aussteigen wollte. Aber sie muss durch die halbe Stadt. Hörbar für alle Umsitzenden verkündet eine Kontrolleurin, dass das Dokument der Frau ohne Ticket aus dem Saarland stammt. Darf sie sich überhaupt in Köln aufhalten? „Na bitte. Gleich festsetzen, so eine“, sagt eine andere Kontrolleurin triumphierend. Der halbe Bus hört den Satz, der die Kompetenz einer Fahrscheinprüferin bei weitem überschreitet. Aber die Betroffene hat es ja nicht verstanden.

So soll sich laut Stadtanzeiger vergangene Woche eine Fahrscheinkontrolle in einem Bus der Kölner Verkehrsbetriebe abgespielt haben, bei der eine des deutschen nicht mächtige Chinesin ohne Fahrschein von Kontrolleurinnen drangsaliert wurde.

Was ist hier eigentlich schlimmer? Die unterschwellige Fremdenfeindlichkeit der Kontrolleurinnen oder die Tatsache, dass die KVB es nicht schafft, ihre Angestellten vernünftig auszuwählen oder zumindest zu domestizieren? Unterstellt natürlich, die Geschehnisse sind korrekt dargestellt.

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  1. #1 von dwk am Januar 13, 2007 - 1:26 pm

    Das ist ja nichts neues: Kölner Kontrolleure fallen immer wieder negativ auf, etwa bei „Massenrazzien“ an der Haltestelle „Hildegardis-Krankenhaus“ (auch von Studenten frequentiert). Da öffnet der Busfahrer kurz die Türe, die Kontrolleure steigen ein und lassen niemanden aussteigen, der nicht ein Ticket vorgezeigt hat. Der Ton ist in den letzten Jahren deutlich rauher geworden, seinerzeit (also Ende der Neunziger) war das Verhältnis zwischen Fahrgästen und Kontrolleuren viel entspannter. Die Kontrolleure nahmen die Schwarzfahrer mit Humor und umgekehrt – kein böses Wort, keine „Festnahme“-Szenen.

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