(Geld-)Elite

Es gibt Tage der offenen Tür an öffentlichen Hochschulen. Und es gibt den Schülercampus Jura.

Ist Jura das richtige Studium für mich? Der Schülercampus Jura, erstmals 2005 angeboten, bringt Klarheit: Dieser einwöchige Kompaktkurs an der Bucerius Law School in Hamburg richtet sich an Oberstufenschüler, die wissen wollen, was sie im Jurastudium erwartet.

Kompetente Fachleute bieten eine Einführung in die fachlichen Grundlagen der Rechtswissenschaft und die Methodik eines Hochschulstudiums. Juristen gewähren Einblick in ihre vielfältige berufliche Praxis und erklären, worauf es ankommt. Studierende und Professoren vermitteln ihren Hochschulalltag und stehen Rede und Antwort zu allen Fragen des Jurastudiums, seinen Inhalten und Anforderungen.

Der dritte Schülercampus Jura findet vom 29. Juli bis 4. August 2007 an der Bucerius Law School statt.

Schlappe 350 Euro. Infos: www.schuelercampus.de.

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  1. #1 von Klaus Weber, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bucerius Law School am Februar 27, 2007 - 11:25 am

    Es gibt aufmerksame und gerechte Kritiker und solche, die sich in ihrer Kritik von bestehenden Vorurteilen leiten lassen:

    Es gibt auch Tage der offenen Tür an der Bucerius Law School: Jeden ersten Freitag im Monat für ca. drei Stunden sowie mindestens dreimal im Jahr einen Schnuppertag, der von morgens bis abends stattfindet. Und diese Veranstaltungen kosten selbstverständlich nichts. Natürlich können Interessenten auch außerhalb dieser Veranstaltungen an der Hochschule vorbeikommen. Sie sind übrigens herzlich eingeladen, an einer solchen Veranstaltung einmal teilzunehmen. Dann würde auch klar werden, dass ein Studium an der Bucerius Law School keinesfalls einer „Geldelite“ vorbehalten ist, ganz im Gegenteil.

    Was den Schülercampus Jura angeht: Es handelt sich dabei um eine Veranstaltung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Gründerin der Bucerius Law School. Es liegt nahe, dass die ZEIT-Stiftung dieses Angebot an ihrer Hochschule durchführt. Und die 350 Euro sind alles andere als kostendeckend: Neben dem Veranstaltungsprogramm sind darin enthalten Unterbringung, Verpflegung und Freizeitaktivitäten. Dieses Angebot ist in Deutschland ziemlich einmalig, und es kann dazu beitragen, die immer noch hohen Abbrecherquoten im Studienfach Jura weiter zu senken.

    Sie sind ja Jurastudent: Hatten Sie die Möglichkeit, an einem solchen intensiven Kennenlernstudium teilzunehmen? – Nicht jeder hat Juristen in der Familie, die einem das Jurastudium vorab erklären können, schon gar nicht diejenigen, die durch den Schülercampus Jura angesprochen werden sollen.

  2. #2 von alleswasrechtist am Februar 27, 2007 - 3:18 pm

    Sehr geehrter Herr Weber,

    zunächst vielen Dank für ihren Besuch hier und ihre Stellungnahme.

    Ich habe mir das Angebot des Schülercampus (auch vor meinem Post) durchaus genau angesehen und halte es zweifellos für eine sehr nützliche Veranstaltung, an deren Ende jeder Teilnehmer wohl genau weiß, was ihn in einem Jurastudium erwartet. Gerade im Vergleich zum nicht annähernd so umfassenden Angebot öffentlicher Hochschulen ist Ihr Schülercampus vorbildlich.

    Anstoß zu diesem Eintrag gab ein Artikel im „Hochschul“-Teil des Kölner Stadt-Anzeiger, der eine ihrer Pressemitteilungen nahezu wortgetreu abdruckte. Da war allerdings nicht die Rede von kostenlosen Schnuppertagen. Sollte ich in nächster Zeit mal nach Hamburg fahren, werde ich den übrigens gerne mal nutzen.

    Allerdings müssen Sie zugeben, dass wohl nur die wenigsten Abiturienten die Möglichkeit haben, 350 Euro aufzubringen, um sich lediglich über ein mögliches Studienfach zu informieren. Das ist nun einmal ein Luxus, das kann man drehen und wenden wie man will. Wen 500 Euro Studiengebühren schmerzen, und das ist bei weitem keine Minderheit, der überlegt sich mehrfach, ob er schon bei der Wahl eines Fachs so tief in die Tasche greifen will.

    Interessant überdies, dass sie diese Andeutung als Kritik an der Zeit-Stiftung auffassen. Soweit ich weiß, sieht sich die Bucerius Law School doch als Institution, die Wettbewerb durch ihre Vorbildfunktion im Bereich der Juristischen Fakultäten schaffen will. Insofern kann man den Vorwurf, ein solches Angebot stünde nur einer Geldelite offen, ebenso und mit guten Gründen auch als Vorwurf an öffentliche Bildungsanstalten sehen, die vielleicht mit etwas Aufwand und Mühe ein ähnliches Programm auf die Beine stellen könnten?

  3. #3 von Klaus Weber, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bucerius Law School am März 1, 2007 - 3:18 pm

    Na, wenn Ihr Eintrag eigentlich eine Kritik an den staatlichen Hochschulen darstellen sollte, dann habe ich Sie offensichtlich missverstanden.

    Dennoch bin ich mit Ihrer Argumentation nicht ganz einverstanden. Ich denke, „etwas Aufwand und Mühe“ reichen nicht aus, ein solches Programm auf die Beine zu stellen. Sicher gäbe es dann nämlich mehr solcher Programme auch an staatlichen Hochschulen, denn die Professoren und die Verwaltung dort sind bestimmt nicht „fauler“ als an der Bucerius Law School. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass solche Programme Geld kosten, und da liegt doch der Hase im Pfeffer. Letztlich hängt das Nichtvorhandensein solcher ausführlichen Orientierungsangebote doch mit der Tatsache zusammen, dass staatliche Hochschulen chronisch unterfinanziert sind, weil der Staat nicht mehr Geld aufbringen kann oder will. Das heißt, auch staatliche Hochschulen würden nicht darum herumkommen, sich ein solches Programm bezahlen zu lassen.

    Und gerade die Studiengebühren, seien es nun 1.000 Euro im Jahr an staatlichen Hochschulen oder 9.900 Euro im Jahr wie an der Bucerius Law School, machen eine wohl überlegte Entscheidung des Studienfaches umso wichtiger. 350 Euro scheinen vor diesem Hintergrund gut investiertes Geld zu sein – auch und gerade, wenn sich ein Teilnehmer gegen ein Jurastudium entscheidet.

    Der Schülercampus Jura ist auch mehr als „sich lediglich über ein mögliches Studienfach zu informieren“. Diesen Prozess sollte ein Interessent bereits vorher abgeschlossen haben. Der Schülercampus Jura ist eine Art Schnupperstudium, das intensiver als bei einer bloßen Information in der Praxis das vorstellt, was Jurastudenten im Studium erwartet. Und noch mal: Die 350,- Euro sind keinesfalls kostendeckend.

    Natürlich bleiben 350,- Euro viel Geld, keine Frage. Die ZEIT-Stiftung ermöglicht daher im Einzelfall, wenn entsprechendes Interesse und eine entsprechende Eignung vorliegt, einen Erlass der Gebühren.

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